HNA vom 24.07.09 - Artikel von Thomas Stier und Ulrike Pflüger-Scherb

Gottschalck rettet SPD

Kassel. Der SPD-Kandidat für die Bundestagswahl im Wahlkreis 169, Rainer Pfeffermann, hat am Donnerstag um 9 Uhr seine Bewerbung zurückgezogen. In einer in Rekordzeit einberufenen Wahlkreis-Delegiertenkonferenz wurde die Landtagsabgeordnete Ulrike Gottschalck (Niestetal) mit 90,5 Prozent der Stimmen zur neuen Kandidatin gewählt.

Um 18 Uhr war am Donnerstag die Frist abgelaufen, bis zu der die Wahlvorschläge der Parteien beim Kreiswahlleiter im Kasseler Rathaus vorliegen mussten. Diese Frist habe die SPD eingehalten, berichtete der Kreiswahlleiter.

Die Hintergründe für Pfeffermanns Schritt blieben undeutlich. Der 42-jährige VW-Arbeiter aus Ahnatal hatte eine Affäre mit einer Frau, gleichfalls SPD-Mitglied. Dabei muss es zu zwischenmenschlichen Differenzen gekommen sein. Beide hatten den Vorsitzenden des SPD-Bezirks Hessen Nord und Baunataler Bürgermeister Manfred Schaub um die Vermittlung eines Gesprächs gebeten. Dieses Gespräch kam auch am Dienstag zu Stande, zu seinem Inhalt schweigt Schaub.

Uwe Schmidt, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Kassel-Land und Landrat, sprach von "schweren Vorwürfen mit strafrechtlicher Relevanz". Nähere Einzelheiten wisse er nicht, aber es gehe um "Nötigung gegenüber einer Frau". Schmidt: "Wir können nicht einschätzen, ob daran etwas dran ist oder nicht." Pfeffermann habe ihm gegenüber erklärt, dass an den Vorwürfen nichts dran sei.

Weder bei der Polizei noch bei der Kasseler Staatsanwaltschaft liegt eine Anzeige gegen den 42-Jährigen vor. Pfeffermann selbst nannte persönliche Gründe, wollte aber seine Entscheidung vorerst nicht weiter erläutern: "Ich will meine Partei und meine Kandidatur nicht mit diesem Klärungsprozess belasten", erklärte er laut einer SPD-Mitteilung.

Auch Pfeffermanns Nachfolgerin wollte sich zu dessen Rücktritt nicht äußern. "Ich will nicht spekulieren", sagte Ulrike Gottschalck (52) nach ihrer Wahl. Erst am Mittwoch habe sie von den Anschuldigungen gegen Pfeffermann erfahren und sich natürlich auch Gedanken gemacht, wie die SPD damit umgehen könne.

Dass sie selbst für die Bundestagswahl am 27. September Wunschkandidatin der SPD für den Wahlkreis 169 sei, habe sie Donnerstag um 10.30 Uhr erfahren.

Veröffentlicht: 27.12.2009



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© Ulrike Gottschalck
Datum des Ausdrucks: 21.08.2017